Übermäßiges Schwitzen – ein großes und sehr persönliches Problem

Übermäßiges Schwitzen – ein großes und sehr persönliches Problem

Interview mit Dr. med. Georg Papathanassiou zur
Schweißdrüsenabsaugung und Behandlung mit Botulinumtoxin.

 

Frage: Mit welchen Beschwerden kommen die Patienten zu Ihnen?
Dr. Papathanassiou: Meine Patienten berichten über unkontrollierbares, übermäßiges Schwitzen im Achsel-Hand oder Rückenbereich – egal ob es warm oder kalt ist. Sie schwitzen auch ohne körperliche Anstrengung. Eine ursächliche internistische Erkrankung liegt nicht bei ihnen vor.

Frage: Was macht Ihren Patienten daran am meisten zu schaffen?
Dr. Papathanassiou: Wenn man ständig schwitzt und selbst wenn es nur latent ist, ist das schon eine ganz schöne Belastung im Alltag. Stellen Sie sich einmal vor Ihr Oberteil wäre im Achselbereich ständig feucht. Auf vielen Stoffen sieht man das ja auch noch. Das fühlt sich für einen selber nicht nur unangenehm an, sondern ist auch noch für Außenstehende ersichtlich. Viele meiner Patienten fühlen sich auf Grund dessen beobachtet und haben immer Wechselkleidung mit dabei. Schön ist das nicht. Oder stellen Sie sich einmal vor Sie haben ständig feuchte Hände und haben beruflich viel mit Menschen zu. Da müssen regelmäßig Hände geschüttelt werden…. Da kann man sich sehr gehemmt fühlen!

Frage: Wie kommt es denn überhaupt zu dieser übermäßigen Schweißbildung?
Dr. Papathanassiou: Hier liegt eine Störung des vegetativen Nervensystems vor. Das vegetative Nervensystem können wir willentlich nicht beeinflussen – es arbeitet eigenständig und steuert unsere Körperfunktionen um diese im Gleichgewicht zu halten. Die Schwitzfunktion läuft bei dem Patienten in diesem Fall leider völlig aus dem Ruder.
Übermäßiges Schwitzen kann vererbt werden. Fast 8 Millionen Menschen leiden unter dieser sogenannten „ axillären Hyperhidrose“!

Frage: Welche Therapiemöglichkeiten empfehlen Sie?
Dr. Papathanassiou: Gute Erfahrungen habe ich mit Salbeitabletten gemacht. Sie sind in der Apotheke erhältlich und können die Schweißproduktion um ein gutes Maß senken.
Dann gibt es die Schweißdrüsenabsaugung, die eine dauerhafte Lösung bietet. Außerdem habe ich mit Injektionen von Botulinumtoxin äußerst gute Erfahrung gemacht.

Frage: Wie läuft denn so eine Schweißdrüsenabsaugung ab?
Dr. Papathanassiou: Der Eingriff ist minimal-invasiv und wird ambulant in Tumeszenz-Lokalanästhesie durchgeführt.
Während der OP mache ich auf jeder Achselseite einen kleinen Einschnitt . Mit Hilfe von speziellen Absaugkanülen wird die Zahl der Schweißdrüsen bleibend reduziert. Diese befinden sich unter der Haut. So wird die Schweißbildung auf ein normales Maß reduziert. Einige Schweißdrüsen überstehen den Eingriff, so daß ein normales Schwitzen möglich ist.
Die Absaugung selber dauert ungefähr 10 Minuten pro Seite, nachdem die hierfür speziell hergestellte Tumeszenzlösung eingebracht wurde. Insgesamt dauert der Eingriff ca.30 Minuten. Zum Schluß werden die kleinen Einschnitte verschlossen. Nach der

Frage: Wachsen die Schweißdrüsen wieder nach?
Dr. Papathanassiou: Nein, sie sind für immer entfernt und können somit auch keinen Schweiß mehr produzieren.

Frage: Bin ich sofort nach der OP wieder gesellschaftsfähig?
Dr. Papathanassiou: Das sind Sie, ja. Gut wäre es allerdings, wenn Sie sich ein paar Tage Auszeit gönnen würden.

Frage: Muss ich Sorgen haben, dass ich plötzlich an anderen Stellen des Körpers vermehrt also kompensatorisch schwitze?
Dr. Papathanassiou: Nein, die Sorge müssen Sie nicht haben! Sie werden nicht an anderen Stellen des Körpers vermehrt schwitzen.
Die axillären Schweißdrüsen stellen nur einen geringen Anteil der gesamten Schweißdrüsenmenge des Körpers dar. Sie fehlen unserem Körper nicht.

Frage: Was wäre die Alternative zur Schweißdrüsenabsaugung, wenn ich z.B. noch zusätzlich zu den Achseln an den Handflächen schwitzen würde? Dort können Sie ja nicht absaugen!?
Dr. Papathanassiou: Da gibt es eine wirklich tolle Alternative und zwar die Behandlung mit Botulinumtoxin. Achseln und Hände werden jeweils 20-30 Mal angepikst, das ist gut auszuhalten, und das Botulinumtoxin wird gleichzeitig eingebracht. Es kann auch im Vorfeld ein betäubende Salbe aufgetragen werden um eventuell auftretende Schmerzen zu lindern. Auf das endgültige Ergebnis muss man ca. 10 Tage warten. Dann hat buchstäblich eine „Trockenlegung“ stattgefunden. Sie schwitzen definitiv nicht mehr an Hand oder Achsel! Der Effekt hält ungefähr 6 Monate. Oftmals muss nur einmal im Jahr behandelt werden. Einfluss auf den Fühl-oder Tastsinn hat das Botulinumtoxin nicht.
Ich hatte noch die Tage eine ganz glückliche Patientin bei mir im Gespräch, die so froh war nicht mehr ständig unkontrolliert zu Schwitzen. Keine Geschäftspartner mehr, die sie mit feuchtem Händedruck begrüßt und auch endlich keine Schweißflecken und Achselränder mehr auf ihrer Kleidung. Ein völlig neues Lebensgefühl für sie. Ihr Auftreten sei sowohl privat als auch beruflich wieder viel selbstbewußter geworden.
Oftmals können Patienten von mir auch wieder Hobbies nachgehen die sie wegen ihres übermäßigen Schwitzens nicht mehr ausüben konnten. Das ist ein guter Gewinn an Lebensqualität.